Terroristendarsteller
Vor kurzem wurde der Prozessbeginn gegen die so genannte Sauerlandgruppe mit großem Tamtam in der Presse gefeiert. Mit allen erdenklichen Superlativen wurde noch einmal die Gefährlichkeit der vom BKA ernannten „Terroristen” zelebriert. Man war sich einig, dass die Angeklagten nur mit Höchststrafen abgeurteilt werden können.
Im Internet wabern jedoch auch Meldungen herum, die diese „Terroristen” alles andere als gefährlich aussehen lassen. Dilletantisch und durchgeknallt wäre da der bessere Ausdruck. Jetzt hat auch der seriöse Deutschlandfunk einmal ein wenig genauer hingeschaut und schnell verflüchtigt sich der Eindruck, der vom Rest der Presse unisono erweckt wird. Da werden die absurden Bombenpläne, deren Umsetzung wahrscheinlich eher die Bombenbastler umgebracht hätte als jemand Anderen, als das beschrieben, was sie aller Wahrscheinlichkeit auch waren, nämlich ungeeignete Versuche von Amateuren. Hier erfährt man auch, dass die Islamische Jihad Union (IJU), die immer als Hintergrundorganisation der Sauerlandgruppe genannt wird, nur als kümmerliche Website im Internet existiert und wohl eine Erfindung des usbekischen Geheimdienstes ist. Das Bekennerschreiben dieser IJU, das nach der Verhaftung der Sauerlandgruppe aufgetaucht ist, hält einer kritischen Prüfung wohl nicht stand. Es ist anscheinend eine Fälschung. Die Hassprediger, die zumindest einen der Verhafteten angeleitet haben sollen, sollen eng mit den deutschen Geheimdiensten zusammen gearbeitet haben.
Alles, was in den Medien als höchst gefährliche Lage dargestellt wurde, die Gefahr von vielen verheerenden Bombenanschlägen und der bevorstehende Terrorangriff auf Ziele in Deutschland stellen sich hier als einziges Schauspiel dar. Mir als älterem Mitbürger wird bei einem solchen Szenario direkt die Erinnerung an das „Celler Loch” wach. Was mich jedoch heute besonders erschreckt, ist die - und das schreibe ich jetzt mit Bedacht - fast gleichgeschaltete Berichterstattung in allen Medien. Der Stern-Reporter Rainer Nübel wird folgendermaßen zitiert: “Die große Mehrheit der Medien folgt ganz klar der Sprachregelung und sagen wir mal der Geschichtsschreibung staatlicher Stellen - allen voran der Bundesanwaltschaft und des BKA.”
In gut zwei Jahren, wenn der Prozess zu Ende gehen wird, wird man vielleicht noch einmal von der Sauerlandgruppe hören. Vielleicht wird dann in kleinen Meldungen bekannt gegeben, dass die Terroristendarsteller mit milden Strafen davon gekommen sind. Bis dahin und weit darüber hinaus wird durch die einstimmige, offenbar gelenkte Berichterstattung der Presse die Sauerlandgruppe nur als Synonym dafür in den Köpfen bleiben, dass der Terrorismus auch in Deutschland angekommen ist und dass deshalb jegliche weiteren Machtbefugnisse der Polizei und des BKA gerechtfertigt sind.